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Mit
der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler beginnt das
dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Der Nationalsozialismus
war weit mehr als eine Partei;
er war eine weltanschauliche Bewegung und wollte auch den letzten
Winkel des öffentlichen und privaten Lebens gestalten und
kontrollieren.
Die nationalsozialistische Ideologie
war diffus und widersprüchlich, sie setzte sich aus populären
Versprechungen, Parolen und Ansichten anderer politischer
Bewegungen zusammen. Kern waren Nationalismus,
der faschistische, antidemokratische Glaube an einen starken
"Führer" und ein ausgeprägter Rassismus
und Antisemitismus.
Außenpolitisch wollten die Nationalsozialisten die im ersten
Weltkrieg
verlorenen Gebiete wiedererlangen und weiteren "Lebensraum"
vor allem in Osteuropa erobern. Langfristig schwebte ihnen ein
deutsches Großreich vor, mit einem völlig neuen
Fundament: Der Individualismus und die Errungenschaften der
Aufklärung
sollten abgeschafft werden, eine neue Gesellschaft
entstehen. Unter dem Motto "Du bist nichts, dein Volk ist
alles" sollte ein "neuer Mensch" erschaffen
werden.
Die konkrete Umgestaltung Deutschlands nach diesen
Ideen begann zunächst politisch. Als Kanzler
stand Hitler anfangs einer Regierungskoalition vor, der außer
ihm nur zwei Nationalsozialisten als Minister
angehörten. Ihnen gegenüber standen acht konservative
Minister im sogenannten "Kabinett
der nationalen Konzentration".
Das
sollte sich bald ändern. Die letzten freien Reichstagswahlen
am 5. März
1933 brachten den Nationalsozialisten mit 43,9 Prozent der Stimmen
zwar nicht die gewünschte Mehrheit – sondern zwangen
sie, mit der Deutschnationalen Volkspartei
(DNVP)
zu koalieren; durch das "Ermächtigungsgesetz"
vom 23. März wurde die NSDAP
aber zum alleinigen Herrschaftsträger. Das Gesetz
erlaubte der Regierung
für die Dauer von vier Jahren, Gesetze ohne Beteiligung des
Reichstags und des Reichsrats zu erlassen. Dies galt auch für
Gesetze, die die Verfassung
änderten.
Auch die Rolle des Individuums im Staat
veränderte sich schlagartig, seine Rechtssicherheit wurde
aufgehoben. So konnte beispielsweise die Polizei
ohne Gerichtsentscheid "Schutzhaft" verhängen. Mit
den Stimmen der bürgerlichen Parteien wurde das Gesetz
angenommen, später wurde es mehrfach verlängert. Dieser
verfassungsmäßige Ausnahmezustand
blieb bis zum Zusammenbruch Deutschlands im Mai 1945 politische
Realität.
Doch bis dahin sollten noch 12 Jahre
vergehen, in denen die nationalsozialistische Diktatur
Deutschland
systematisch in einen diktatorischen "Führerstaat"
umbaute. Andere Parteien wurden verboten, die Gewerkschaften
aufgelöst, Regimekritiker verfolgt, die Justiz
zu einem Anhängsel der Diktatur gemacht. Partei und Staat
waren nicht mehr zu unterscheiden, Hitler faktischer
Alleinherrscher. Massenorganisationen und Propaganda
sollten den Rückhalt der Nazi-Herrschaft
in der Gesellschaft gewähren.
Gleichzeitig setzte die
Entrechtung und Verfolgung der deutschen Juden ein. Bereits am 1.
April 1933 organisierte der Reichsminister für
Volksaufklärung und Propaganda einen Boykott jüdischer
Geschäfte, Banken, Ärzte und Rechtsanwälte. Damit
zeigte die NSDAP nach der Machtübernahme
erstmalig öffentlich ihr antisemitisches Gesicht.
Am
7. April erließ die Regierung das "Gesetz zur
Wiederherstellung des Berufsbeamtentums": "Nichtarische
Beamte"
wurden nun aus ihren Stellungen entlassen. Die endgültige
Entrechtung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger
erfolgte durch das "Reichsbürgergesetz" und das
"Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen
Ehre" am 15. September 1935. Den jüdischen Bürgerinnen
und Bürgern wurde nicht nur das Reichsbürgerrecht
vorenthalten; Eheschließungen und außereheliche
Beziehungen zwischen Juden und "Staatsangehörigen
deutschen oder artverwandten Blutes" wurden als
"Rassenschande" mit Zuchthausstrafe bedroht. Die so
genannten Nürnberger Gesetze schufen die rechtliche Grundlage
für die Verfolgung und ständige Diskriminierung von
Juden.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 kam es zum
reichsweiten Pogrom gegen Juden – angezettelt vom
nationalsozialistischen Regime:
Synagogen wurden in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte
und Wohnungen zerstört, Menschen verprügelt, erniedrigt
und ermordet. Große Teile der jüdischen Bevölkerung
wurden zur Flucht ins Ausland gezwungen.
Die
nationalsozialistische Verfolgung der europäischen Juden
gipfelte schließlich im systematisch geplanten und
organisierten Massenmord, euphemistisch "Endlösung"
genannt. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten über
sechs Millionen Juden und andere diskriminierte Gruppen vor allem
in den sogenannten Konzentrationslagern. Erste Lager waren schon
kurz nach der Machtübernahme eingerichtet worden. Mit Beginn
des Zweiten Weltkrieges und der Entscheidung
über den Völkermord
auf der Wannseekonferenz im Jahre 1942 wurde das System
der Konzentrationslager jedoch erheblich ausgebaut. Alleine im
Konzentrationslager Auschwitz wurden zwischen 1940 und 1945 über
eine Million Menschen umgebracht.
Die Erinnerung an den
industriell betriebenen Völkermord, die Möglichkeit der
größten Barbarei im Herzen der Zivilisation ist Teil
des deutschen kulturellen Gedächtnisses – und für
das Selbstverständnis der Bundesrepublik
Deutschland
von grundlegender Bedeutung.
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